Einschätzungen

Stand: Januar 2023

Das Weltszenario: Rivalität, Regionalisierung, Innovation

  • USA und China wetteifern um wirtschaftliche, strategische und technologische Führerschaft.
    • Sie wollen nicht miteinander und können nicht ohne einander.
    • Eine Reihe von Staaten und Regionen stehen dazwischen, lehnen sich stärker an den einen oder den andere an, versuchen aber aus der Beziehung zu beiden Gewinn zu schlagen.
    • Der Krieg Russlands beschleunigt die Diversifizierung der Lieferketten. Insbesondere bei Rohstoffe werden dadurch die „westlichen“ Lieferanten gestärkt. Bei Computerchips versucht China, unabhängig von „westlicher“ Technik zu werden.
    • Vielleicht wird es zwei große Handelsblöcke geben mit eigener Reservewährung und eigenen Wertschöpfungsketten – einen amerikanischen und einen chinesischen Block.
  • Der Aufstieg des Pazifik-Raumes zum Gravitationszentrum der Wirtschaft ist unaufhaltsam.
    • Es ist China gelungen, den asiatisch-pazifischen Raum in eine Freihandelszone zu verwandeln.
    • China baut die Seidenstraße und belebt damit Europa und bisher abgeschnittene Weltregionen (Zentralasien, Osteuropa und Afrika).
    • Die Weltwirtschaft bekommt neuen Schub unabhängig von USA.
    • China erobert Afrika wirtschaftlich.
    • China und Asien entwickeln Technologieführerschaft. Zumindest streben sie es an.
    • China entwickelt eine neue Weltreservewährung und ein paralleles Welt-Zahlungssystem.
      • Gold könnte ein Anker für die neue Weltwährung werden.
    • Russland verfällt als Anhängsel Chinas in Bedeutungslosigkeit.
  • Die USA bleiben bedeutsam wegen positiver Demographie, militärischer Übermacht, innovationsgetriebener Wirtschaft.
    • Der Krieg Russlands hat die USA wieder gestärkt und das „westliche“ Bündnis neu belebt.
    • Die inflationsbekämpfenden Maßnahmen der FED geben den USA wieder Spielraum für neue Zinssenkungen und zukünftige Krisenbekämpfung.
    • Auch die Reindustrialisierung der USA stärkt diese sozial und geostrategisch.
    • Die Schuldenberge steigen dabei – besonders in den USA und Europa.
      • eine dauerhaft erhöhte Inflation könnte die Schulden bezahlen.
      • Gold bleibt attraktiv – auch als Versicherung gegen Systemkrisen.
    • Die Wirtschaft und die Staaten werden sich wieder an eine Welt mit Zinsen und möglichen Pleiten gewöhnen müssen. Dadurch wird die Wirtschaft stärker, weil sich Fehlentwicklungen korrigieren dürfen.
  • Europa gerät in eine Randlage.
    • Europa muss aufrüsten, einiger werden und eine eigene Politik definieren.
    • Europa kann sich auf die USA nur bedingt verlassen.
    • Europa muss sich auf kluge Weise konzentrieren. Es kann eine Rolle zwischen den rivalisierenden Weltmächten spielen.
  • Die vom Krieg Russlands beschleunigten Entwicklungen könnten einen Innovationsschub in der Wirtschaft bewirken.
    • Rohstoffe müssen intelligent gefördert und genutzt werden.
    • Energie muss umweltfreundlich und in großen Mengen generiert werden.
    • Künstliche Intelligenz und Biotechnologie könnten zum Gamechanger werden.
    • Die Innovationen könnten die Effektivitätsverluste der Deglobalisierung und die Belastung durch höhere Zinsen ausgleichen.
      • Die technische Entwicklung (Mini-AKW, KI, 3D-Druck,  intelligente Netzwerke, nachhaltige Produktion ….) ermöglicht und fördert Regionalisierung und kann zu neuen Vorteilen führen.
    • Militärtechnik und Rüstungsindustrie entwickeln sich wegen starker Nachfrage.
  • Der Klimawandel zwingt alle zur Dekarbonisierung. Auch der Wille dazu ist mittlerweile vorhanden und die wirtschaftlichen Weichen sind gestellt.
    • Dekarbonisierung fördert die Elektrifizierung. Eine neue Atomenergie, klein und sicher, und die Wasserstoffwirtschaft werden dafür gebraucht. Erdgas bleibt Brückentechnologie.
    • Rohstoffe werden für den Umbau der Weltwirtschaft in großen Mengen gebraucht – allen voran Kupfer und Lithium sowie seltene Erden.

 

 

Stand: April 2022 – nach dem Überfall auf die Ukraine

Das neue Weltszenario: Rivalität

Durch den Angriffskrieg auf die Ukraine sind die laufenden Entwicklungen verschärft und beschleunigt worden.
Unter den Bedingungen der Globalisierung entwickeln sich zwei Einflusssphären geführt von USA und China.
Zwischen den Einflusssphären herrscht Rivalität. Sie müssen aber auch kooperieren, um zu bekommen, was sie brauchen.
Jede Einflusssphäre hat Stärken und Schwächen. Wie sie ihre Schwächen ausgleichen, ist noch nicht ausgemacht.
Bestenfalls finden wir zu einer multipolaren Welt, die sich gegenseitig anerkennt, miteinander Handel treibt und sich zusammen weiter entwickelt.

Die Einflusssphären gliedern sich in Regionen:
Einflusssphäre USA
   Regionen: Nordamerika, Europa, Quad (Japan, Australien, Indien), Lateinamerika
Einflusssphäre China
   Regionen: China, Russland, Zentralasien, Afrika

Die Regionen unterstützen sich gegenseitig innerhalb der Einflusspären, streben aber auch jeweils nach Autarkie und Resilienz.
Alle Regionen haben Beziehungen zu allen anderen – auch über die jeweiligen Einflusssphären hinaus. Das können sie als Vorteil betrachten – aber auch als Problem.

Das neue wirtschaftlichen Paradigma: Regionalisierung

  • Die Regionalisierung der Weltwirtschaft ist das große neue Paradigma.
    • Die Lieferketten werden diversifiziert und möglichst regional zurück gebaut.
    • In der Energie- und Rohstoffversorgung wird auf Nähe und Verlässlichkeit geachtet.
    • Das Internet wird durch differierende Standards und Kontrollsysteme segmentiert.
    • Jede Einflusssphäre entwickelt eigene Finanzsysteme mit eigenen Reservewährungen.
    • Verteidigungsfähigkeit und Resilienz bestimmen wirtschaftliche Entscheidungen.
    • Strategisch wichtige Industrien werden regional gefördert.

  • Staatliche Investitionen treiben den Strukturwandel an.
    • Staatliche Technologie-Förderung und Rahmensetzung bestimmen die Entwicklung.
    • Großunternehmen können besser die staatlichen Programme umsetzen. Sie sind die Profiteure des Strukturwandels.

  • Zur Finanzierung betreiben die Notenbanken Geldschöpfung bis zum Vertrauensverlust.
    • Die Folge ist Inflation, besonders bei Energie und Rohstoffen.
    • Wahrscheinlich gibt es moderat steigende Notenbank-Zinsen bei negativen Realzinsen.
    • Sowohl die Regionalisierung als auch die Inflation bremsen das Wachstum ein, weil die Effizienzvorteile der Globalisierung geringer werden.
    • Substanzstarke Unternehmen setzen sich wegen des herausfordernden wirtschaftlichen Umfeldes durch.
    • Sachwerte wie Aktien und Immobilien steigen mit der Teuerung.
    • Gold profitiert als Wertspeicher.
    • Kryptowährungen bilden vielleicht eine Alternative zu Geld oder Gold. Ein dezentrales Finanzsystem bietet vielleicht einen Ausweg aus der gegenseitigen Abschottung.

  • Rohstoffe und Energie werden zum Umbau der Systeme gebraucht und gewinnen strategische Bedeutung.
    • Es entstehen überall Energie- und Rohstoffprojekte zur Erzielung von Rohstoffsouveränität.
    • Dezentrale regenerative Energien erhalten strategische Bedeutung, weil sie die Resilienz stärken.
    • Insbesondere die grüne Wasserstoffwirtschaft wächst rasant als Alternative zur Erdgasnutzung.
    • Vielleicht gibt es eine Renaissance der Atomenergie

  • Alle Regionen rüsten auf zum Schutz vor Angriffskriegen und zur Durchsetzung eigener Rohstoffinteressen.
    • Der militärisch-industrielle Komplex floriert.
    • Cybersicherheit wird ein bedeutender Wirtschaftszweig.
    • Die Rüstung wird wieder zum Technologietreiber.

 

Stand: Januar 2022

  • Das große Bild: Die multipolare Welt und ihre Lebensgrundlagen
    • Wir bewegen uns auf eine multipolare Welt zu, in der die USA eine Großmacht neben anderen sein werden. China erstarkt. USA und China werden wirtschaftlich, strategisch und technologisch noch lange ihre Kräfte messen.
    • Der Pazifik mit seinen Anrainern wird zum Gravitationszentrum der Weltwirtschaft. Auch Russland wird an der Seite Chinas wieder eine Rolle spielen. Europa gerät in die Randlage. Globale Neutralität ist eine Option Europas, Stärker werden ein Gebot der Stunde.
    • Die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien wie Elektromobilität, grüner Strom, Speichertechnologien wird zu einer Existenzfrage der Menschheit und für Technologiesprünge und neues Wirtschaftswachstum sorgen.
    • Künstliche Intelligenz und Biotechnologie sind verstärkt Innovations- und Wachstumstreiber.
    • Die neuen Technologien ermöglichen eine zunehmende Regionalisierung der Wirtschaft und verringern die Effektivitätsverluste der Deglobalisierung.
    • Die von der globalen Entwicklung ausgeschlossenen oder bedrohten Völker und Menschen müssen ernst genommen werden. Wenn es für sie keine Lösung und Perspektive gibt, ist der Weltfrieden bedroht.
  • Anlageklassen
    • Anleihen
      • Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben, da ein rascher Entzug der aufgeblähten Geldmenge die Weltwirtschaft abwürgen würde.
      • Anleihen sind daher als Anlageklasse nur sehr bedingt zu empfehlen. Sie können sogar angesichts der Überschuldung – besonders der USA – gefährlich sein.
    • Gold
      • Gold als Krisenwährung und Wertspeicher wird steigen, da die konkurrierenden Großmächte China und USA immer wieder aneinander geraten werden. Deshalb gehört Gold in jedes Depot. Für den Anleger empfiehlt sich verbrieftes und hinterlegtes Gold.
      • Goldminen sind nur bedingt als Hebel für die Entwicklung des Goldpreises geeignet. Auch haben Goldminen bei überhöhter Volatilität Gold langfristig nicht schlagen können.
    • Immobilien
      • Angesichts einer wachsenden Bevölkerung und mit höheren Ansprüchen an das Wohnniveau bleiben Immobilien attraktiv. Auch das niedrige Zinsniveau begünstigt Immobilien. Für den Anleger sind Immobilien-Aktien geeignet, da sie wenig Arbeit machen und für regelmäßige Einnahmen sorgen.
      • Als Ersatz für Anleihen kommen Immobilien nur begrenzt in Frage, weil ihr Wert auch mit der Wirtschaftsentwicklung schwankt.
      • Immobilien sind in den großen Indices enthalten und korrelieren stark mit diesen. Sie müssen nicht als Exra-Position gehalten werden.
    • Aktien
      • Aktien geben Anteil am langfristigen Wirtschaftswachstum. Marktbreite Indices sind durch Einzelengagements nur schwer zu schlagen.
      • Emerging Markets und USA gehören in jedes Depot. China und USA sind die innovativsten Mächte. Die Emerging Markets und die USA haben eine positive Bevölkerungsbilanz.
      • Rohstoffe und bieten schon allein wegen der Bevölkerungsentwicklung und den Wohlstandsgewinnen Wachstumspotenzial. Auch der nachhaltige Umbau der Wirtschaft wird große Mengen Rohstoffe benötigen.
      • Japan und Deutschland können trotz überalterter Bevölkerung profitieren, weil sie mit ihrer Industrie-Kompetenz die digitale Produktion vorantreiben.
      • Ein Welt-Aktienportfolio kann nach Marktkapitalisierung (100% All Countries World) oder nach Bip (60% World, 40% Emerging Markets) aufgebaut werden.
    • Währungen
      • Der Dollar wird längerfristig seine Rolle als einzige Weltreservewährung verlieren.
      • China baut eine alternative Währung mit einem eigenen – auch digitalen – Zahlungssystem auf. China sammelt einen Goldschatz an, um die neue Währung werthaltig zu hinterlegen.

 

Ein Gedanke zu „Einschätzungen“

  1. Hallo,

    hab Sie über Ihren Kommentar bei Brichta gefunden 😉
    Teile Ihre Einschätzungen haben Sie Schon Ray Dalio für sich Entdeckt ?
    Warum geben Sie nicht mehr über Ihre Person auf dieser Website preiss?

    mfg

    S. Freichel

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