Die Versuchung der Kathedrale

Für Touristen sind sie ein Magnet – die großen altehrwürdigen Kirchen. Touristen wollen hineingehen, Kulturbeflissene suchen in ihnen nach Kunstschätzen.

Für ihre Eigentümer sind sie eine Versuchung, – immer weiter Unsummen in die Steine investieren – auch dann noch, wenn das Gebäude schon längst seine Funktion und Attraktivität verloren hat. Immer hoffend, dass sich das großartige Haus eines Tages wieder füllen wird. Und so fehlt das Geld für die Innovation und irgendwann machen die Eigentümer pleite.   

Dabei war es schon eine enorme Kraftanstrengung, diese Kathedralen zu errichten. Sie hatten zeitweise vielleicht die richtige Größe und sie hatten das Ziel, die Menschen zu beeindrucken. Das Beeindrucken leisten sie vielleicht bis heute, aber das, wofür sie gebaut wurden, leisten sie eines Tages nur noch selten.

Um es klar zu sagen: Die Kathedrale spiegelt den Höhepunkt einer Entwicklung. Aber, wie es mit Höhepunkten ist, sind sie immer auch Wendepunkte – nach unten. Und damit muss man fertig werden.

Denkmalschutz ist keine Lösung! Denkmalschutz sargt das Leben, das es noch gibt, ein, bis es gestorben ist.
Abreißen – vielleicht.
Verkaufen – lieber nicht. Die Konkurrenz wird sich freuen.
Neu nutzen mit kleinen zukunftsweisenden Anfängen? Ja, wenn man es sich leisten kann.

Betrachten wir die Kirchen, die es mehrere hundert Jahre gibt! Sie sind alle mehrfach umgebaut worden – je nach Bedürfnis und Zeitempfinden. So haben sie neuen Sinn gefunden. Und der Sinn hat sie erhalten. Manchmal waren sie auch verfallen oder zerstört und wurden von neuen vitalen Generationen wieder aufgebaut.

Diese Gebäude haben es geschafft mit neuem Leben wieder zu erstehen – immer wieder. Und sogar der Denkmalschutz wird sich eines Tages nicht mehr für sie interessieren, da sie keine Epoche mehr in Reinform darstellen. Nicht irgendeine Epoche verkörpern sie mehr, sondern den lebendigen Gott, der mit ihnen und in ihnen mit seiner Gemeinde durch die Zeit gegangen ist.

Und immer wieder droht die Versuchung, nur noch in die Steine zu investieren, wenn das Leben schon längst ausgezogen ist, – und so die Zukunft zu verpassen.

Wahrlich – Gott kann sich auch andere Orte suchen – und andere Gemeinden. Und er hat es schon getan.

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