Gegeneinander glauben?

Für manche Deutsche gilt der Islam und die Menschen, die an ihn glauben, als Wurzel allen Übels. Und deshalb lesen sie die Bücher und Blogs, in denen intellektuelle Anführer den Islam diffamieren, sammeln in sich Hass an und werden vielleicht eines Tages hasserfüllt handeln.

Besonders die vollen Moscheen und die leeren Kirchen beunruhigen sie und sie haben Angst, vom Islam im eigenen Land entrechtet zu werden. – Daraus könnten sie den Schluss ziehen, die Kirchen stärker zu unterstützen und durch ein eigenes lebendiges Christentum Stärke zu gewinnen. Statt dessen leben sie ganz unreligiös und schaffen erst das Vakuum, in das der Islam stoßen könnte. Als Lösung schwebt ihnen vor, den Islam zu verunglimpfen und einzudämmen und die Muslime zu vertreiben.

Dem ist Vieles entgegen zu halten.

Zunächst ist auch das Christentum potentiell aggressiv und hat es immerhin geschafft, die größte Weltreligion in allen Winkeln dieser Erde zu werden. Auch das Christentum ist dazu benutzt worden, fremde Kulturen zu erobern. Ein Staat wie der französische hat daraus die Konsequenz gezogen, alle Religion einzudämmen und zu entmachten.

Ich persönlich kenne viele Muslime und auch viele Christen, die jeweils ihren Glauben leben, regelmäßig beten und ihre Moschee oder Kirche aufsuchen. Diese Menschen sind in der allergrößten Mehrzahl friedliebend. Sie arbeiten, sie haben Familien, sie tragen zum Wohl der Allgemeinheit bei. Und sie pflegen eine gewisse Lebenskultur. Deshalb bin ich überzeugt, dass von den Gläubigen keine Bedrohung ausgeht.

Nein, die Religiösen sind nicht Schuld an dem, was die hasserfüllten Aufrührer umtreibt. Sie sind aber die Zielscheibe für den Hass oder werden dazu aufgebaut.

Natürlich gibt es Extremisten und Terroristen unter den Muslimen. Es gibt oder gab sie auch unter den Christen. Aber diese Extremisten besitzen nicht die Ehre, den Namen ihrer Religion im Mund zu führen. Sie ziehen das Heilige in den Dreck und besudeln es mit unschuldigem Blut. Leider liefern sie den Hetzern und Scharfmachern die Vorlage für deren Kampfschriften. Und so kommt es, dass heute viele in Deutschland gegen den Islam glauben – ohne wirklich einen eigenen Glauben zu haben. Und christliche Fundamentalisten stoßen dann auch noch in das selbe Horn.

Dabei könnte es so einfach sein.

Wir könnten auch miteinander glauben – nicht alle dasselbe, sondern ein jeder in seiner Tradition – und uns gegenseitig darin achten. Wir könnten sogar lernen, als Gläubige im friedlichen Wettbewerb miteinander zu leben – wie es sich auch zwischen Evangelischen und Katholischen entwickelt hat. Wir könnten ein Gegengewicht bieten zu den unreligiösen und unkultivierten Hass-Predigern, die das gesellschaftliche Klima vergiften.

Noch ist es nicht zu spät. Die Vernünftigen und die Gläubigen müssen zusammen halten und miteinander die Zukunft gestalten. Gemeinsam und im respektvollen Wettbewerb können wir ein sinnerfülltes und erfolgreiches Leben entwickeln.

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